Heute möchte ich mich einer kognitiven Verzerrung widmen, die in der Literatur (noch) nicht zu finden ist: die Wien-Verzerrung. Nach 25 Lebensjahren in Wien genießt Bruce seit 2016 das Leben in Graz. Nur dem Wiener Kaffeehaus trauert er nach. Obwohl es auch in Graz Kaffeehäuser gibt, ist er der Meinung, diese seien nicht so, wie es sich gehört, vor allem die Kellner.

Letzte Woche hatte ich eine Lesung in einem dieser klassischen Wiener Kaffeehäuser. Um es kurz zu machen: die Kellner waren wortkarg bis unfreundlich, die Gäste mussten ihnen teilweise bis in die Küche nachlaufen, um bestellen zu DÜRFEN, die kredenzten Speisen und Getränke waren durchschnittlich. Mein Mann, der außerhalb Wiens ziemlich allergisch auf unfreundlichen Service von Kellnern, Verkäuferinnen oder Hotelangestellten reagiert, seufzte zufrieden: „So gehört das.“

Ich denke, Wien macht etwas mit den Gehirnen seiner Bewohner. Warum würden sie sonst glauben, schlechter Service gehöre sich? Wie denkt ihr über die Wien-Verzerrung?

2 thoughts on “Die Wien-Verzerrung

  1. Artikel “Wien Verzerrung” find ich genial ;). Ich habe auch eine Zeit lang in Wien gelebt und muss der Autorin zu 100% recht geben. Wunderschöne historische Gebäude aber die Wiener Bevölkerung brauche ich nicht dauerhaft… Hingegen find ich München einfach bezaubernd…

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s